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Orga.FIT-Studie 2026

Unter dem Radar

36 Stimmen. Ein erster Anhaltspunkt für tausende Unternehmen.

36 Fragebögen.
12 Gespräche.
Ein Resonanz- und Tiefenbild.

Thomas Hemmer · André Höfler Wie fit ist die IT-Branche unterhalb des Radars? Eine Studie über kleine und mittlere IT-Dienstleister im deutschen Markt.
Stimmigkeitscheck

Wahrnehmen. Übersetzen. Umsetzen.

Ein Unternehmen bleibt fit, wenn es wahrnimmt, was sich draußen verändert, das in Konsequenzen für das eigene Haus übersetzt und die eigenen Strukturen danach anpasst.

Hier gibt es keinen Test und keine Punkte, sondern ein Gespräch auf Augenhöhe. Am Ende steht eine Einschätzung, wo bei euch die Ursache liegt: in der Sensorik, der Übersetzung oder der Umsetzung.

Kein Mensch, kein Alien, kein Orakel. Hier antwortet dir eine KI — wach, schlagfertig, wortgewandtⓘ

Dein Code:

Die Befunde

Drei Fähigkeiten und ein Loop

Wahrnehmen, was sich draußen verändert. Übersetzen, was das für das eigene Haus bedeutet. Umsetzen, also die eigenen Spielregeln tatsächlich anpassen. Das ist keine Einzelleistung, sondern eine Kompetenz der Geschäftsleitung als Gruppe.

Sensorik
Wahrnehmen, was sich draußen verändert
1Schnell beim Kunden, langsam am Markt Die Unternehmen passen sich schnell an, wo ein Kunde fragt. Wo sich der Markt als Ganzes verschiebt, bewegen sie sich kaum.

Belastbar Basis: 36 Fragebögen

Am schnellsten passen sich die Unternehmen an die Bedürfnisse ihrer Kunden an (3,58 von 5) und an neue Technologie (3,53). Das Portfolio folgt mit etwas Abstand (3,31). Deutlich langsamer bewegen sich das Geschäftsmodell (3,06) und vor allem die Vermarktung, also die strategisch strukturierte Ansprache neuer und bestehender Kundensegmente (2,75). 15 von 36 sagen, dass sie ihre Vermarktung langsam anpassen. Bei der Technologie sind es nur 3.

Diese Unternehmen sind also nicht träge. Sie bewegen sich dort, wo der Anstoß von einem bestehenden Kunden oder aus der Technik kommt. Wo sich der Markt als Ganzes verschiebt, ohne dass jemand konkret fragt, bewegen sie sich kaum.

Impuls
Frage für deine nächste Führungsrunde
Welche Veränderung habt ihr im letzten Jahr angestoßen, ohne dass ein Kunde danach gefragt hat?
Woran du es merkst
Eure letzten Portfolio-Entscheidungen lassen sich alle auf die Anfrage eines einzelnen Bestandskunden zurückführen.
Ein erster Schritt
Sammelt die Marktsignale der letzten sechs Monate und notiert zu jedem, wer es aufgegriffen hat und welche Entscheidung daraus folgte. Die Lücken in dieser Liste sagen mehr als die Einträge.
2Wenn zwei auf sich warten 16 von 36 sehen sehr starken KI-Einfluss auf ihr Angebot, 13 davon passen ihr Geschäftsmodell trotzdem nicht schneller an. Bedrohung erzeugt nicht automatisch Bewegung.

Richtungsweisend Basis: 36 Fragebögen, Kreuzauswertung

16 der 36 Befragten sagen, KI habe sehr starken Einfluss auf große Teile ihres Angebots. 13 von ihnen passen ihr Geschäftsmodell trotzdem nicht schneller an als der Rest. Das wahrgenommene Risiko durch KI hängt in unseren Daten weder mit einem klareren Wertversprechen noch mit höherem Anpassungstempo zusammen. Bedrohung erzeugt also nicht automatisch Bewegung.

Impuls
Frage für deine nächste Führungsrunde
Was hat KI bei euch konkret am Geschäftsmodell verändert – am Preismodell, am Portfolio, an der Lieferung? Und wenn nichts: Woran liegt das wirklich? Wie viel investiert ihr in KI für eure Wertschöpfung?
Woran du es merkst
KI steht in jeder Führungsrunde auf der Agenda, aber es gibt keine Entscheidung mit Bezug auf eure Wertschöpfung für den Kunden.
Ein erster Schritt
Formuliert ein einziges KI-bezogenes Angebot so konkret, dass ein Kunde es vor dem Kauf prüfen kann – mit Umfang, Preis und Ergebnis. Und legt fest, bis wann ihr es drei Kunden zeigt.
Übersetzung
Übersetzen, was das für das eigene Haus bedeutet
3Das Erklärungsproblem 28 von 36 sagen selbst, dass ihr Wertversprechen nicht sitzt. Die Neukundengewinnung ist der schwächste von 17 Werten.

Belastbar Basis: 36 Fragebögen, 12 Gespräche

Nach innen und bei der Technik fühlen sich die befragten Unternehmen fit. Entscheidungsfindung (3,61 von 5), Anpassung an Kundenbedürfnisse (3,58) und Technologie (3,53) stehen im Ranking aller 17 Werte ganz oben. An der Schnittstelle zum Markt kippt das Bild. Die Neukundengewinnung landet mit 2,52 auf dem letzten Platz.

Erkenntnis 3

Innen fit, an der Schnittstelle zum Markt schwach

Alle 17 Werte der Erhebung im Ranking, Mittelwerte auf einer Skala von 1 bis 5.

  1. Entscheidungsfindung3,61
  2. Anpassung an Kundenbedürfnisse3,58
  3. Anpassung Technologie3,53
  4. Veränderungsbereitschaft3,52
  5. Abläufe3,36
  6. Anpassung Portfolio3,31
  7. Wirkung der Veränderungsarbeit3,26
  8. Aufbauorganisation3,25
  9. Differenzierung3,19
  10. Balance Bestand und Innovation3,14
  11. Führungskompetenz3,07
  12. Anpassung Geschäftsmodell3,06
  13. Bestandskunden3,00
  14. Arbeit am System2,85
  15. Klarheit des Wertversprechens2,81
  16. Anpassung Vermarktung2,75
  17. Neukundengewinnung2,52

Die drei schwächsten Werte liegen alle an der Schnittstelle zum Markt.

Quelle: Orga.FIT-Studie 2026 · 36 Fragebögen, Selbstauskunft der Geschäftsführung · Achse zeigt den Ausschnitt 2 bis 4Belastbar · orgafit.de

28 von 36 Geschäftsführern sagen selbst: Unser Wertversprechen sitzt nicht, wir müssen öfter und genauer erklären, was wir tun. 20 von 36 haben beides zugleich, ein unklares Wertversprechen und eine schwere Neukundengewinnung.

In den Gesprächen tauchte das Thema fast überall auf, oft ungefragt. Mehrere Gesprächspartner beschrieben ihr Wertversprechen als Baustelle, an der sie gerade arbeiten. Einige sprachen offen davon, dass es früher nicht nötig war, sich abzugrenzen, weil die Aufträge über Netzwerk und Empfehlung kamen.

Impuls
Frage für deine nächste Führungsrunde
Kann eure Verkaufsmannschaft in einem Satz sagen, warum ein Fremder euch beauftragen sollte – und würde ein Fremder den Unterschied verstehen?
Woran du es merkst
Neue Kunden kommen fast nur über Empfehlung, und im Erstgespräch erklärt ihr mehr, als ihr fragt.
Ein erster Schritt
Lasst drei Menschen außerhalb eures Unternehmens eure Website lesen und in einem Satz sagen, was ihr tut und für wen. Vergleicht das mit dem Satz, den ihr euch wünscht.
4Wie statt Was 27 von 36 heben sich über das Wie ab, über Beziehung, Service und Projektqualität. Das erlebt ein Interessent erst, wenn er längst Kunde ist.

Belastbar als Häufigkeit, richtungsweisend im Zusammenhang mit Neukunden · Basis: 36 Fragebögen

27 von 36 differenzieren sich über das Wie, also über Kundenbeziehung und Service oder über die Qualität ihrer Projekte. Nur 6 differenzieren sich über das Was, also über ein Angebot oder eine Kompetenz, die man vor dem Kauf prüfen kann.

Die Kreuzauswertung schärft das Bild. Wer seine Differenzierung vor allem mit der eigenen Exzellenz begründet, tut sich am häufigsten sehr schwer mit Neukunden: 5 von 11. Bei denen, die mit Kundennähe und Service argumentieren, sind es 4 von 16. Von den „Was“-Differenzierern tut sich keiner sehr schwer. Die Fallzahlen sind klein. Das ist eine Beobachtung, kein gesicherter Zusammenhang, und ein Prüfauftrag für Welle 2.

Impuls
Frage für deine nächste Führungsrunde
Was an eurem Angebot kann ein Interessent wirklich prüfen, bevor er unterschreibt?
Woran du es merkst
Auf eurer Website bezieht ihr euch auf Kundennähe, Qualität und Partnerschaft – und dieselben Worte stehen auch bei allen relevanten Wettbewerbern.
Ein erster Schritt
Nehmt euer stärkstes Wie und übersetzt es in ein Was und ein Wozu: ein festes Format, ein benanntes Ergebnis, einen Preis, den ein Kunde vorab sehen kann.
5Kein Marketing-Problem In 26 offenen Antworten nennt niemand Kanäle, Reichweite, Website oder Agentur. Die Gründe liegen fast vollständig innen.

Belastbar für die Lücke, richtungsweisend für die Freitextauswertung · Basis: 36 Fragebögen, 26 Freitexte

Von den 22 Befragten, die sich klar oder teilweise differenziert fühlen, können nur 6 diese Differenzierung nach außen scharf kommunizieren. 15 müssen öfter erklären oder empfinden ihre Botschaft als unklar, einer antwortete frei. Die Überzeugung ist innen da, die Botschaft außen nicht.

In 26 offenen Antworten auf die Frage, warum die Übersetzung nach außen schwerfällt, nennt niemand fehlende Kanäle, zu wenig Reichweite, eine schwache Website oder die falsche Agentur. Die genannten Gründe liegen fast vollständig innen: ein nicht gefundener Fokus oder der Wunsch, nichts auszuschließen (etwa 8 Nennungen), fehlende Zeit, um das Angebot zu schärfen (7), und die ehrliche Unsicherheit, was einen eigentlich unterscheidet (3).

Impuls
Frage für deine nächste Führungsrunde
Für welches Kundenproblem wollt ihr die erste Adresse sein – und welche Aufträge würdet ihr dafür künftig ablehnen?
Woran du es merkst
Eure Leistungsbeschreibung schließt niemanden aus, und jeder im Führungsteam würde euren Fokus anders beschreiben.
Ein erster Schritt
Benennt drei Aufträge der letzten zwölf Monate, die ihr künftig nicht mehr annehmen würdet, und begründet, warum. Das ist unbequemer als ein Positionierungs-Workshop – und aussagekräftiger.
Umsetzung
Die eigenen Spielregeln tatsächlich anpassen
6Innen aufgeräumt ist nicht gleich außen erfolgreich 14 von 36 bewerten ihre Organisation mit 4 oder 5. Zehn davon haben trotzdem ein unklares Wertversprechen.

Richtungsweisend Basis: 36 Fragebögen

Zwischen der Zufriedenheit mit der eigenen Organisation und dem Erfolg bei Neukunden finden wir praktisch keinen Zusammenhang. Und das in Daten, in denen sonst fast alles miteinander zusammenhängt.

14von 36

bewerten ihre Organisation mit mindestens 4 von 5.

10davon

haben dennoch ein unklares Wertversprechen.

9davon

tun sich schwer mit Neukunden.

Eine aufgeräumte Organisation und ein wirksamer Marktauftritt kommen offenbar unabhängig voneinander vor. Die naheliegende Schlussfolgerung wäre, dass Organisation für den Markterfolg egal ist. Aus unserer Sicht passt sie nicht. Innen aufgeräumt und außen wirksam sind zwei verschiedene Baustellen, und zwischen ihnen fehlt oft die Übersetzung.

Ein zweiter Befund zeigt dieselbe Bruchstelle von einer anderen Seite. 20 von 36 geben an, kontinuierlich strategisch zu reflektieren. Nur 8 dieser 20 finden ihre strategische Routine in mindestens zwei anderen Antworten des Fragebogens bestätigt. Strategie wird gedacht, Organisation wird gebaut, aber oft an getrennten Tischen.

Impuls
Frage für deine nächste Führungsrunde
Wer bei euch übersetzt Marktsignale in Entscheidungen über Portfolio, Organisations- und Führungsstruktur – und wann ist das in welcher Form zuletzt passiert?
Woran du es merkst
Strategiethemen und Organisationsthemen laufen in getrennten Runden mit getrennten Verantwortlichen, und die Ergebnisse der einen tauchen in der anderen kaum auf.
Ein erster Schritt
Nehmt eure letzte strategische Entscheidung und fragt: Was hat sich dadurch an Rollen, Abläufen oder Entscheidungswegen verändert? Lautet die Antwort „nichts“, habt ihr die Bruchstelle gefunden.
7Am Willen liegt es nicht, am Raum schon Die Veränderungsbereitschaft gehört zu den höchsten Werten der Erhebung. Routiniert am System arbeiten aber nur 9 von 36.

Belastbar Teilgruppen richtungsweisend, Wirkrichtung offen · Basis: 36 Fragebögen, 12 Gespräche

Die Veränderungsbereitschaft gehört mit 3,52 von 5 zu den höchsten Werten der Erhebung, nur 3 beschreiben sie als gering. Die Arbeit am eigenen Unternehmen liegt mit 2,85 deutlich darunter. Nur 9 von 36 arbeiten „routiniert und kontinuierlich am System“, 21 schaffen „gelegentlich Raum“ dafür, und 5 sind „stark im operativen Tagesgeschäft eingebunden“ mit kaum Platz für Führungsarbeit am System.

Die 17, die ihre Veränderungsbereitschaft als stark bezeichnen, zerfallen in zwei fast gleich große Hälften: 8 haben Raum für die Arbeit am System, 9 nicht. Ohne Raum melden 3 von 9 Lücken im Führungsteam, mit Raum keiner.

Über alle Befragten gilt dasselbe Muster. 11 von 36 sagen über das eigene Führungsteam: Wir haben Lücken. Wer routiniert am System arbeitet, meldet keine einzige (0 von 9). Wer gelegentlich daran arbeitet, meldet sie in 8 von 21 Fällen, wer kaum Raum dafür hat, in 3 von 5. Das hält auch, wenn man nur die Unternehmen unter 50 Mitarbeitenden betrachtet. Ob fehlender Raum die Lücken begünstigt oder umgekehrt, können die Daten nicht entscheiden. Die Richtung ist klar, die Ursache nicht.

Impuls
Frage für deine nächste Führungsrunde
In welchem Rhythmus arbeitet ihr „am Unternehmen“ statt „im Unternehmen“ – und stehen dafür feste Termine mit hoher Priorität im Kalender?
Woran du es merkst
Der Termin für Strategie oder Organisation ist der erste, der verschoben wird, sobald ein Kunde drängt.
Ein erster Schritt
Legt einen festen, geschützten Termin „am System“ im Führungskreis fest und führt dort ein Entscheidungsprotokoll statt einer Gesprächsnotiz. Nach drei Terminen seht ihr, ob Entscheidungen entstehen oder nur Gespräche.
8Ab 50 Mitarbeitenden wechselt der Schmerz die Etage Unter 50 Mitarbeitenden ist der Schmerz die Akquise, darüber Führung und Systemarbeit. Eine Hypothese aus acht Fällen.

Hypothese Basis: 28 Unternehmen unter, 8 ab 50 Mitarbeitenden

Unterhalb von 50 Mitarbeitenden ist die Neukundengewinnung der wunde Punkt (2,33 von 5). Oberhalb liegt sie bei 3,17. Dafür wird die Führungskompetenz ab 50 Mitarbeitenden mit 2,00 bewertet, darunter mit 3,38. Bei der Arbeit am System stehen 2,33 gegen 3,00. Marktdruck und KI-Risiko werden in der größeren Gruppe stärker empfunden.

Erkenntnis 10

Ab 50 Mitarbeitenden wechselt der Schmerz die Etage

Mittelwerte nach Unternehmensgröße auf einer Skala von 1 bis 5. Die Gruppe ab 50 umfasst nur 8 Unternehmen.

unter 50 MA n = 28 ab 50 MA n = 8 Führungskompetenz 3,38 KI-Risiko 3,29 Marktdruck 3,09 Arbeit am System 3,00 Neukundengewinnung 2,33 4,00 KI-Risiko 3,50 Marktdruck 3,17 Neukunden 2,33 Arbeit am System 2,00 Führung

Lücken im Führungsteam

21 %

unter 50 MA (6 von 28)

62 %

ab 50 MA (5 von 8)

Mittelwerte nach Unternehmensgröße
Merkmalunter 50 MA (n = 28)ab 50 MA (n = 8)
Neukundengewinnung2,333,17
Führungskompetenz3,382,00
Arbeit am System3,002,33
Marktdruck3,093,50
KI-Risiko3,294,00
Quelle: Orga.FIT-Studie 2026 · 36 Fragebögen, Selbstauskunft der GeschäftsführungHypothese · orgafit.de

Unter 50 Mitarbeitenden arbeitet knapp ein Drittel routiniert am System (9 von 28), ab 50 niemand (0 von 8). Koordinationsreibung, etwa zwischen Vertrieb und Technik oder zwischen Portfolio und Marketing, taucht in den Freitexten fast nur bei den größeren Unternehmen auf.

Unter 50

„Wie komme ich an Aufträge?“

Ein Unternehmer-Problem.

Ab 50

„Wie führe ich ein System, das ich nicht mehr komplett überblicke?“

Ein Organisations-Problem. Die Gesprächspartner aus größeren Unternehmen redeten über Wandel, Fluktuation und Unsicherheit. Nicht über Akquise.

Volle Transparenz: Die Gruppe ab 50 Mitarbeitenden umfasst nur 8 Unternehmen. Das ist eine Beobachtung, kein gesicherter Befund. Genau deshalb ist die Schwelle der wichtigste Prüfauftrag für die zweite Erhebungswelle.

Impuls
Frage für deine nächste Führungsrunde
Welcher Schmerz führt bei euch gerade die Agenda – der Auftragseingang oder die Organisation dahinter? Und passt eure Aufmerksamkeit dazu?
Woran du es merkst
Der Geschäftsführer ist noch immer der beste Verkäufer – und zugleich der Engpass bei fast jeder internen Entscheidung.
Ein erster Schritt
Zähle, wie viele der letzten zehn internen Entscheidungen erst gefallen sind, nachdem du selbst am Tisch saßt. Diese Zahl ist dein ehrlichster Indikator dafür, auf welcher Etage dein Engpass gerade wohnt.
Der Loop
Über die drei Bereiche iterieren

Was habt ihr in der Vergangenheit schon versucht, um darüber zu loopen?

Wahrnehmen, übersetzen, umsetzen – und dann? Ob eine Veränderung gewirkt hat, entscheidet darüber, ob sich der Kreislauf schließt oder ob die nächste Runde wieder bei null beginnt. Dieser Teil ist der unbequemste der Studie. Auch für uns, denn wir beraten selbst.

9Veränderung ohne Referenz Kein einziger Gesprächspartner konnte klar sagen, dass die Veränderungsarbeit gewirkt hat. Niemand hatte vorher gemessen, wo er stand.

Belastbar Gruppenvergleiche richtungsweisend · Basis: 36 Fragebögen, 12 Gespräche

Nur 4 von 36 Unternehmen berichten von großer Wirkung ihrer bisherigen Veränderungsarbeit. 14 sagen, sie habe wenig oder nicht wie erhofft gewirkt. Im Durchschnitt liegt die Zufriedenheit mit der Wirkung bei 3,26 von 5. Das ist in Ordnung, aber weit entfernt von überzeugt.

Wir haben alle zwölf Gesprächspartner gefragt, ob der Einsatz von Tools, Frameworks und externer Beratung gewirkt hat. Kein einziger konnte die Frage klar mit Ja beantworten. Vier verneinten, acht antworteten nur mit Einschränkungen. Meist lag das daran, dass sie unsere Arbeit als Kunden bereits kennen und die Frage deshalb nicht unbefangen beantworten konnten. Die Gründe ähneln sich: überladene Erwartungen an Berater und Frameworks, zu wenig Zeit, eine Methode im Alltag zu verankern, und vor allem hatte niemand vorher gemessen, wo er stand.

Gefragt, wie sie organisationalen Herausforderungen begegnen, nennen die Befragten am häufigsten externe Beratung und neue Tools, Methoden oder Frameworks (je 16). Danach folgen die kontinuierliche Führungsroutine (14) und das Handeln ad hoc, wenn es brennt (13). Neue Tools und Frameworks heben die Wirkung nicht messbar (3,33 gegenüber 3,20 ohne). Bei externer Begleitung liegt sie bei 3,17 gegenüber 3,33 ohne. Das kann ein Aufholeffekt sein, denn Unternehmen mit externer Begleitung starten von einer schwächeren Ausgangslage (Strukturindex 3,02 gegenüber 3,72). Belegen lässt es sich nicht.

Erkenntnis 12

Nicht das Werkzeug entscheidet, sondern das System

Wirkung der Veränderungsarbeit nach gewähltem Mittel und nach Passung der Strukturen.

Nach gewähltem MittelFührungsroutine, Tools oder Berater, ad hoc
ad hoc 2,95 nur Tools oder Berater 3,31 Führungsroutine 3,38
Nach Passung der StrukturenEntscheidungsfindung, Abläufe, Aufbau
niedrig 2,82 hoch 3,86
Quelle: Orga.FIT-Studie 2026 · 36 Fragebögen, Selbstauskunft der Geschäftsführung · Strukturpassung hoch = Strukturindex ab 4 (14 Unternehmen), niedrig = unter 3 (11 Unternehmen) · Ausschnitt der Skala 1 bis 5Richtungsweisend · orgafit.de

Was mit Wirkung tatsächlich zusammenhängt, liegt woanders. Führungskompetenz (r = 0,64), eine passende Entscheidungsfindung (0,61), Veränderungsbereitschaft (0,50) und kontinuierliche Arbeit an der eigenen Organisation (0,48). Alle diese Werte beruhen auf Selbsteinschätzung. Sie beschreiben Muster, keine Ursachen.

Führungsroutine wirkt kaum besser als ein Tool, und doch hängt Wirkung stark an der Arbeit am System. Die Auflösung liegt im Unterschied zwischen Etikett und Praxis. Von 14 Befragten, die „kontinuierliche Führungsroutine“ ankreuzen, arbeiten nur 4 tatsächlich routiniert am System. Das Etikett unterscheidet kaum. Die gelebte Praxis unterscheidet deutlich.

Zwei Gegenstimmen

Ein Gesprächspartner verortete die Wirkungslücke teilweise in einer Haltung der Abnehmer: in einer verbreiteten Berater-Skepsis im deutschen Mittelstand, verbunden mit der Vorliebe, Dinge lieber selbst zu bauen. [Freigabe offen] Ein Gründer und Geschäftsführer zog aus der Wirkungsfrage die umgekehrte Lehre. Er würde sich rückblickend viel früher gute Berater ins Haus holen. [Freigabe offen]

Was daraus folgt – auch für uns

Ohne gemessenen Ausgangspunkt weiß hinterher niemand, ob etwas gewirkt hat. Das betrifft uns selbst. Wir beraten Geschäftsführer und ihre Führungsteams. Wenn externe Begleitung in unseren Daten kaum einen Unterschied macht, dann gilt das auch für uns, bis wir das Gegenteil zeigen können.

Unsere Konsequenz, gegen unser eigenes kurzfristiges Interesse: keine systematische Veränderungsarbeit ohne Nullmessung vorher.

Keine Veränderungsarbeit ohne vorheriges Verständnis der Problemstellung in der Wertschöpfung, ohne ein Grundverständnis der Wirkmechanismen von Führungssystem und Unternehmenskultur und ohne Zielerreichungskriterien als Kompass der Veränderung.

Impuls
Frage für deine nächste Führungsrunde
Woran würdet ihr in zwölf Monaten erkennen, dass euer aktuelles Veränderungsvorhaben gewirkt hat – und wer bewertet das?
Woran du es merkst
Ihr könnt benennen, welche Maßnahmen ihr durchgeführt habt, aber nicht, was sich dadurch in der Wertschöpfung verändert hat.
Ein erster Schritt
Stellt die Frage „Hat es gewirkt?“ an euer letztes abgeschlossenes Vorhaben. Lautet die ehrliche Antwort „Wir wissen es nicht“, habt ihr den wichtigsten Befund dieser Studie im eigenen Haus bestätigt.
Wie diese Studie entstanden ist

Zahl und Stimme

Ein Resonanz- und Tiefenbild, keine repräsentative Erhebung. Seine Stärke liegt nicht in der Statistik, sondern in der Verbindung von Zahl und Stimme in einem Segment, über das es sonst kaum Daten gibt.

Stichprobe

  • auswertbare Fragebögen36
  • Geschäftsführung oder -leitung35
  • Bereichsführungskraft1
  • Vertiefungsgespräche12

Größe

  • unter 50 Mitarbeitende28
  • 50 bis 994
  • 100 bis 2492
  • über 5002

Geschäftsfelder

  • individuelle Softwareentwicklung14
  • IT-Beratung und Systemintegration11
  • Managed Services7
  • Systemhaus4

Wir beide beraten Unternehmen aus genau dem Segment, das diese Studie untersucht. Die Studie ist damit Marktforschung und Marktzugang zugleich.

Die Idee hinter der Studie Ein Unternehmen ist dann fit, wenn sein Inneres eine passende Antwort auf seine Außenwelt ist.

Hinter der Studie steht eine einfache Idee: Ein Unternehmen ist dann fit, wenn sein Inneres, also Strukturen, Abläufe und Führung, eine passende Antwort auf seine Außenwelt ist. Weil sich die Außenwelt ständig verändert, ist diese Passung nie fertig. Sie entsteht aus drei Fähigkeiten, die in jedem Führungsteam gebraucht werden: wahrnehmen, übersetzen, umsetzen.

Der anonyme Online-Fragebogen erfasste sechs Themenfelder, vom Marktdruck über Wertversprechen und Differenzierung bis zur Wirkung bisheriger Veränderungsarbeit. Die Antworten sind ordinal skaliert und für Vergleiche auf eine Skala von 1 bis 5 normiert.

Wer geantwortet hat Sechs der 36 Unternehmen liegen im Band zwischen 50 und 250 Mitarbeitenden. Die meisten sind kleiner.

28 der 36 Unternehmen haben weniger als 50 Mitarbeitende, sechs liegen im Band zwischen 50 und 250. Am oberen Rand ergänzen zwei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden die Stichprobe. Eines davon wird in den Lünendonk-Listen geführt und schlägt damit die Brücke in das Marktsegment, das die großen Studien vermessen.

35 der 36 Antworten kommen direkt aus Geschäftsführung oder Geschäftsleitung, eine von einer Bereichsführungskraft. Je Unternehmen hat eine Person geantwortet.

Zwölf Gespräche Zwischen Ende Juli und Mitte September 2026, entlang eines festen Leitfadens und beginnend mit dem Schmerz in eigenen Worten.

Fünf dieser Gespräche fanden mit Unternehmen im oder über dem Band ab 50 Mitarbeitenden statt. Die Gespräche füllen damit qualitativ genau das Segment, das die Zahlen unterrepräsentieren. Zwei Gesprächspartner sind Software-Hersteller. Sie verkaufen an dieselben IT-Entscheider wie die Kernzielgruppe und sind als angrenzende Perspektive gekennzeichnet.

Alle Gesprächspartner sind anonymisiert. Zitate erscheinen nur nach dokumentierter Freigabe.

Stimmen aus den Gesprächen — folgen nach den Freigaben

Was diese Studie nicht ist Keine repräsentative Erhebung, sondern eine Momentaufnahme aus Selbstauskünften. Korrelationen beschreiben Muster, keine Ursachen.

Sie ist ein Resonanz- und Tiefenbild: 36 Fälle, eine Momentaufnahme, ausschließlich Selbstauskünfte. Alle Werte messen, wie Geschäftsführer ihr Unternehmen sehen, nicht geprüfte Kennzahlen. Korrelationen beschreiben Muster, keine Ursachen. Weil sich Selbsteinschätzungen gegenseitig färben, liegt der mittlere Zusammenhang aller Bewertungsfragen bei 0,31. An dieser Messlatte ordnen wir jede Einzelkorrelation ein.

  • Belastbarmehrfach belegt und robust
  • RichtungsweisendMuster erkennbar, Fallzahl klein. Das gilt für alle Untergruppen mit weniger als zehn Fällen.
  • Hypotheseplausibel, nicht abgesichert

Quellen

Alle Aussagen ohne Quellenangabe stammen aus der eigenen Erhebung der Orga.FIT-Studie 2026, Welle 1: ein anonymer Online-Fragebogen mit 36 auswertbaren Antworten und zwölf leitfadengestützte Vertiefungsgespräche zwischen Ende Juli und Mitte September 2026. Erhebung und Auswertung: Thomas Hemmer und André Höfler. Für ihre Einordnungen stützt sich die Studie außerdem auf diese Quellen:

Marktdaten und Branchenstudien

  • Bitkom: Marktzahlen zur ITK-Branche, 2026.
  • Bitkom: Bericht zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte, September 2026.
  • DIHK: Digitalisierungsumfrage 2026.
  • Horváth: CIO-Studie 2026 und Digital Value Studie 2026.
  • ISG: EMEA ISG Index, 2026.
  • KfW Research: Analysen zur Digitalisierung und KI-Nutzung im Mittelstand, 2026.
  • Lünendonk & Hossenfelder: Studie zum Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland, 2026.

Organisations- und Managementforschung

  • Abrahamson, E. (1991): Managerial Fads and Fashions: The Diffusion and Rejection of Innovations. Academy of Management Review 16 (3), S. 586–612.
  • Abrahamson, E. (1996): Management Fashion. Academy of Management Review 21 (1), S. 254–285.
  • Cohen, W. M. & Levinthal, D. A. (1990): Absorptive Capacity: A New Perspective on Learning and Innovation. Administrative Science Quarterly 35 (1), S. 128–152.
  • Greiner, L. E. (1972): Evolution and Revolution as Organizations Grow. Harvard Business Review, Juli/August 1972; Neuauflage mit Kommentar des Autors ebenda, Mai/Juni 1998.
  • March, J. G. (1991): Exploration and Exploitation in Organizational Learning. Organization Science 2 (1), S. 71–87.
  • Staw, B. M., Sandelands, L. E. & Dutton, J. E. (1981): Threat-Rigidity Effects in Organizational Behavior: A Multilevel Analysis. Administrative Science Quarterly 26 (4), S. 501–524.
  • Tushman, M. L. & O’Reilly, C. A. (1996): Ambidextrous Organizations: Managing Evolutionary and Revolutionary Change. California Management Review 38 (4), S. 8–30.
  • Zahra, S. A. & George, G. (2002): Absorptive Capacity: A Review, Reconceptualization, and Extension. Academy of Management Review 27 (2), S. 185–203.
  • Zhu, M., Yang, Y. & Hsee, C. K. (2018): The Mere Urgency Effect. Journal of Consumer Research 45 (3), S. 673–690.

Kooperation

  • Leisgang, T. (2026): Muster der Zukunftsfähigkeit in kleinen und mittleren Unternehmen. Entwicklung eines Orientierungsrahmens zwischen wissenschaftlicher Synthese und unternehmerischer Praxis. Masterarbeit, Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg, Studiengang Zukunftsdesign, März 2026. Genutzt in Kooperation mit dem Autor.

Findest du eine Zahl, die nicht stimmt oder anders zu lesen ist, schreib uns über orgafit.de.

Über die Autoren Thomas Hemmer berät Inhaber und Geschäftsführer von IT-, Software- und Technologieunternehmen. André Höfler ist Organisationsdesigner.

Thomas Hemmer war 15 Jahre Mitgründer, CTO und Mitglied der Geschäftsleitung eines Software-Unternehmens, von der Gründung über die Skalierung bis zum Verkauf 2018 mit knapp 100 Mitarbeitenden und der anschließenden Übergabe. Seit 2021 arbeitet er als Ratgeber und Sparringspartner für Inhaber und Geschäftsführer von IT-, Software- und Technologieunternehmen. Sein Schwerpunkt: die Passung von Marktposition, Wertversprechen und Organisation.

André Höfler ist Organisationsdesigner, ausgebildeter systemischer Coach und systemtheoretischer Organisationsentwickler. Vor der Selbstständigkeit hat er über zwei Jahrzehnte hinweg viele Rollen der Wertschöpfung selbst durchlaufen, vom Techniker über Projekt- und Teamleitung bis in ein Management-Team und in die Rollen von Scrum Master, Agile Coach und Organisationsentwickler. Aus dieser Praxis heraus begleitet er heute Inhaber und Führungsteams dabei, die Muster und Wirkungszusammenhänge ihrer Organisation sichtbar und bearbeitbar zu machen, an den Ursachen, nicht an den Symptomen. Sein Schwerpunkt in dieser Studie: Strukturen, Führungssysteme und die Frage, wie Organisationen Veränderung tatsächlich umsetzen.

Wir beide beraten Unternehmen aus genau dem Segment, das diese Studie untersucht. Wir halten das für kein Problem, solange man es ausspricht und solange die Konsequenz aus der Wirkungsfrage auch für uns gilt: keine Veränderungsarbeit ohne Nullmessung, ohne Verständnis der Problemstellung in der Wertschöpfung und ohne Kriterien, an denen sich Wirkung beobachten lässt.

Welle 2

Mach mit bei Welle 2

Die Aussagekraft im Band ab 50 Mitarbeitenden ist in dieser ersten Welle noch dünn. Deshalb startet die zweite Welle, gezielt für Unternehmen zwischen 50 und 500 Mitarbeitenden. Sie bringt eine geschärfte Frage dazu mit, wer wann worüber entscheidet, und den Prüfauftrag für die 50-Mitarbeitenden-Schwelle.

Start
1. November 2026
Erhebungsband
50 bis 500 Mitarbeitende

Wenn du ein solches Unternehmen führst oder Geschäftsführer aus diesem Band kennst: Melde dich auf orgafit.de. Jeder Teilnehmer erhält eine individuelle Einordnung seiner Ergebnisse.

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